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Klassische Moderne - die funktionelle Antwort
zur Massenproduktion
Die klassische Moderne ist schwer als eine eigene Stilrichtung zu
umfassen. Ihre Anfänge liegen bei der Arts and
Crafts-Bewegung: eine englische Bewegung in Kunst und insbesondere Produktdesign. Sie
entsteht Mitte des 19. Jahrhunderts und hat ihre Blütezeit zwischen 1870 und 1920 in England
in den USA.
Sie ist die Antwort auf die Suche nach einem authentischen Stil für
das 19. Jahrhundert und als Reaktion auf den unansehnlich
empfundenen Historizismus der viktorianischen Ära und die
seelenlosen, maschinengemachten Produkte der Industriellen
Revolution.
Als Konsequenz hieraus findet eine Rückbesinnung auf die Qualitäten
des Handwerks statt. Um die dem Handwerk innewohnende Schönheit
zum Ausdruck zu bringen, wurde den Objekten ein rustikales und
robustes Aussehen gegeben.
Die
Verwendung von Werkstoffen richtet sich nach den technischen Möglichkeiten;
Schichtholz, Stahlrohr und Kunststoff ermöglichen die
Verwirklichung nahezu jeden Designs.
Auch
die Bedeutung von einzelnen Möbeltypen hat sich in der Moderne
verschoben, bedingt durch den Funktionalismus und die
Architektur enger Neubauwohnungen. Die früher oft die
Zimmer beherrschenden Schränke oder Büffets verlieren ihre
Dominanz und werden fast bedeutungslos.
Teilweise,
besonders in Skandinavien, werden sie gleich in die Wand eingebaut
oder aber, wie bei Le Corbusier, als Raumteiler benutzt. Das
Inventar von Kommoden und Schreibtischen wandert in unauffällige
Schrankwände, Betten werden versenkt oder hochgeklappt.
So
zeigt sich der moderne Funktionalismus auch darin, dass die
bekannten Designer vorwiegend Sitzmöbel entwerfen.
Die zentralen Merkmale der
Arts-and-Crafts-Bewegung, Einfachheit und ernsthafter Umgang mit
dem Material, beeinflussen die folgenden Bewegungen wie Art
Nouveau, Wiener Sezession, Wiener Werkstätte und auch das
deutsche Bauhaus stark.
Nach
dem Ersten Weltkrieg entwickeln sich drei Hauptzentren moderner Möbelkonzeption:
Holland mit der konstruktivistischen Künstlergemeinschaft des
Stijl, Deutschland mit dem Bauhaus und Frankreich mit den
zukunftsweisenden Entwürfen von Le Corbusier und seiner
Mitarbeiterin Charlotte Perriand.
G.
Rietvelds geometrische Strukturelemente wirken anregend für
die Möbelentwürfe W. Gropius', dem Leiters des Bauhauses,
der es als entscheidend ansah, vor der Konzeption eines Möbels
die Werkstoffe und deren funktionelle Bedingungen zu studieren.
Mit der Machtergreifung Hitlers wird das
Bauhaus geschlossen und als "entartet" verdammt, seine
Mitarbeiter müssen emigrieren und ihre Arbeit
in den USA fortsetzen.
Nach
dem Krieg steht es Deutschland nicht im Sinn, sich um
modernes Design im Möbelbau zu kümmern. Erst seit der Mitte der
50er Jahre gewinnt dies wieder an Bedeutung.
In
Mode kommen nun sogenannte Nierentische, später Schalensessel
und Möbel aus Teakholz.
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